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DER GOLDHAMSTER (MESOCRIETUS AURATUS)

Der syrische Goldhamster ist die ursprünglichste Version der mittelgroßen Hamster, die bei uns in der Heimtierhaltung zu finden ist. Seine Urahnen lebten in den Steppenlandschaften und Halbwüsten Syriens. Heutige Hamster haben allerdings nicht mehr viel mit ihnen zu tun. Trotzdem hat sich an den ursprünglichen Bedürfnissen kaum etwas geändert. Auch der zu Hause gehaltene Hamster möchte am liebsten unterirdisch Leben. Das heißt, Gänge anlegen und Höhlen bauen.

Da dies in Gitterkäfigen nur schwer umzusetzen ist, eignen sich für seine Haltung am besten alte Aquarien bzw. Terrarien. Da die kleinen Wackelnasen in ihren aktiven Phasen zu den Lauftieren gehören, sollte das Becken mindestens 80cm mal 40cm groß sein. Weil Goldhamster recht geschickt klettern können, muss das Becken mit einem grobmaschigen Gitter abgedeckt werden, das noch eine ausreichende Luftzufuhr gewährleistet. Die oft angepriesenen Laufräder sollten nur als Ausgleich für mangelnden Freilauf angeboten werden. Hamster, die mehr als eine Stunde pro Tag im Rad laufen, können eine Sucht entwickeln – das heißt, sie laufen bis zur totalen Erschöpfung. Was für Halter oftmals nach sehr viel Spaß aussieht kann so schnell tödlicher ernst werden. Ähnlich groß ist die Gefahr bei zu kleinen Rädern bzw. Rädern, die aus Gitterstreben bestehen. Die Hamster können schnell abrutschen und sich im weiter drehenden Rad die Füßchen brechen. Gleiches gilt natürlich auch für Zwischenetagen aus Gitter, die im Käfig eingesetzt werden. Ein zusammen gelegtes Küchenpapier, dass man versetzt durch das Gitter zieht, verhindert solche Unfälle schnell. Zusätzlich kann es als Nistmaterial dienen und leicht ersetzt werden. Laufkugeln, die die Hamster nicht selbständig verlassen können, grenzen an Tierquälerei!

Übrigens sind Goldhamster im Gegensatz zu fast allen anderen Heimtieren reine Einzelgänger. Sie vertragen sich nur während der Paarung mit Artgenossen. Da sie alleine gehalten werden, brauchen sie aber auch sehr viel Aufmerksamkeit von ihrem Besitzer. Und das hauptsächlich abends und nachts, denn tagsüber sind sie nur sehr selten aktiv. Wer einen Hamster tagsüber bewusst weckt, der muss damit rechnen, dass er gebissen wird! Und genau deshalb sind Goldhamster NICHT für Kinder geeignet, obwohl sie auf der Liste der Eltern noch als Haustier Nummer 1 für Kinder gelten.

Neben den aktiven Phasen (manchmal erst ab 21 Uhr abends) und der Aggressivität bzw. besser gesagt dem Durchsetzungswillen bei Dingen, die ihnen nicht liegen, sind Hamster sehr flink und vor allem wendig. Sie mögen es nicht in der Hand gehalten zu werden und probieren zu flüchten. Stürze aus der Hand oder von Möbeln können zu schweren Verletzungen führen, und kaum ein Kind kann einen entschlüpften Hamster vor der Tischkante rechtzeitig bremsen. Zusätzlich dazu haben viele Kinder mit der kurzen Lebenserwartung zu kämpfen.

Goldhamster mit Grünfutter
Goldhamster mit Grünfutter

Denn mit 2 bis 3 Jahren hat sich das Kind gerade richtig an den neuen Freund gewöhnt, wenn der schon wieder gehen muss. Sollten Sie ein Haustier für Ihr Kind suchen, sind zwei Meerschweinchen deutlich besser geeignet! Kleiner Tipp: Lassen Sie Ihr Kind die Tiere immer selber aussuchen, denn was Ihnen optisch gefällt, ist in Kinderaugen vielleicht nicht genau so... Notfalls darf es ein Gutschein zum Züchterbesuch sein.

Richtig glücklich werden Hamster erst bei dem passenden zu Hause. Bei der Fernsehsendung „Echt tierisch“ (TV NRW) haben wir ein kleines Experiment gewagt. Ein Goldhamster kam in einen handelsüblichen Gitterkäfig (ca. 40 mal 25 cm) mit knapp einem Zentimeter Einstreu und einem Plastikhäuschen. Also so, wie die meisten Hamster leider wirklich wohnen. Sein Bruder hingegen durfte in ein auch optisch sehr ansprechend eingerichtetes 80ger Aquarium. 6 Zentimeter Einstreu, Küchenpapierrollen als Tunnel, eine Korkröhre zum Verstecken, Kletteräste und frisches Heu. Beiden Tieren war die Behausung vorher nicht bekannt. Der Hamster in Gitterkäfig lief während der kompletten Sendung aufgeregt hin und her, benagte die Gitterstäbe, rappelte an der Tür und probierte sich in einer Ecke einzugraben – er scharrte also auf dem Plastikboden, denn mit der wenigen Einstreu ging es nicht anders. Es war kaum zu übersehen, dass ihm sein Heim nicht sonderlich zu sagte.

Der zweite Hamster hingegen kletterte auf die Korkröhre, schaute sich interessiert um und lief vollkommen entspannt durch das Becken. Ziemlich schnell suchte er sich ein gemütliches Plätzchen, um sich mit einem herzhaften Gähnen zur Tagesruhe zu betten. Ihn brachte nichts mehr aus der Ruhe, so wohl fühlte er sich. Für mich war das sehr lehrreich, denn obwohl ich schon immer für artgerechte Haltung plädiere, hätte ich niemals gedacht, dass ein schlechter Käfig einen Hamster derart zu schaffen macht, denn der kleine war richtig gestresst. Wer sich Bilder eines optimalen Hamsterheims ansehen möchte kann diese in der Hamsterrubrik unter dem Menüeintrag Hamsterkäfige ansehen.

Genauso abwechslungsreich wie die Wohnlandschaft sollte auch das Futterangebot sein. In der freien Natur müssen sie sich ihr Futter selber suchen – warum nicht auch im Käfig? Das Futter kann einfach an verschiedenen Stellen im Käfig versteckt werden. Einen Futternapf brauchen sie nicht! Die Körner werden sowieso in den Backentaschen an einen schönen Ort transportiert. Lediglich Obst und Gemüsestücke sollten auf eine streufreie Fläche gelegt werden. Und wer seine Hamster mal richtig verwöhnen möchte, darf ihnen wenige Brekkies oder sogar Mehlwürmer geben. Denn ohne Protein werden sie schneller krank.