Zum Menü gehen | Zum Inhalt gehen

Inhalt Start
Aktuelle Seite: Nagetiere-Online.de | Hamster | Erfahrungsbericht: Glasbecken / Aquarien für Hamster nutzen
Im Zoohandel werden im Normalfall viel zu kleine Gitterkäfige mit relativ niedrigen Bodenwannen als „perfekte Hamsterkäfige“ angeboten. Selbst die besser ausgestatteten Exemplare haben oft nur kleinere Zwischenetagen (wenn überhaupt), die normalerweise aus dem selben Gitterdraht bestehen wie die Wände. Diese Käfige sind nur bedingt geeignet.
Sowohl der Gold- als auch die Zwerghamster sind Lauftiere, die sich in ihren aktiven Phasen viel bewegen müssen. Wird dieses Bedürfnis nur mittels eines zur Verfügung gestellten Laufrades befriedigt, kann sich bei den Tieren schnell ein rechter Laufradwahn entwickeln. Das heißt, das Laufrad wird zu oft benutzt und führt zu sogenannten Stereotypen, also einem krankhaften Zwang, es zu benutzen.
Außerdem können die Gitterabstände sowohl bei den Zwischenetagen als auch bei einem einfachen Metallrad zu gefährlichen Verletzungen führen, wenn die kleinen Pfoten zwischen ihnen hindurch rutschen. Zu diesem Thema gibt es bereits mehrfache ausführliche Studien.
Aus diesem Grund greifen immer mehr Halter auf eine andere Möglichkeit zurück, die des ausgedienten Aquariums oder eines gut belüfteten Terrariums.
Die Becken kann man sehr günstig über Kleinanzeigen erstehen, denn neu müssen sie nicht sein. Mit Hilfe von Zitrone und Putzmitteln lassen sie sich sehr leicht Kalkrückstände aus der wasserreichen Zeit vorher beseitigen. Das Becken anschließend einfach mit viel heißem Wasser noch einmal überspülen und ein paar Stunden vor der Inneneinrichtung trocknen lassen.
Hamster gehören nicht nur zu den Lauftieren, sondern auch zu den Wühlern. Aus diesem Grund kommt es ihrem Bedürfnis entgegen, wenn das Becken eine hohe Einstreuschicht von mindestens 5cm Höhe enthält. Dafür kann man die normale entstaubte Holzspaneinstreu aus dem Fachhandel verwenden. Ich selber kombiniere das ganze und verlege unter der Einstreu ein Tunnelsystem aus alten Papp- und Küchenpapierrollen.
Außerdem befindet sich in meinem Becken ein ausgehöhlter Baumstamm mit mehreren seitlichen Einstiegen, der sich ebenfalls nur bis zur Hälfte oberirdisch befindet. Oben auf lege ich beim Saubermachen eine handvoll Heu und ein möglichst unbehandeltes Papiertuch. Die beiden dort sesshaften Zwerghamsterdamen zerschreddern dieses Material und bauen es in den Untergrund mit ein, so dass dieser etwas stabiler wird und die Gänge besser halten.
Als Schlafstätte steht den beiden ein Wellensittichnistkasten zur Verfügung, der gegenüber den Plastikhäusern erhebliche Vorteile hat. Das Haus ist aus unbehandeltem Holz, kann also auch zum anknabbern und Zähne abschleifen benutzt werden. Da er über einen festen Boden verfügt kann es bequem zum saubermachen samt Tieren aus dem Becken genommen werden. Durch den etwas höher gelegenen Einstieg kann man es direkt auf den Boden stellen und muss es nicht oben auf die Streu aufsetzen.
So kann es nicht beim versehentlichen unterwandern herab sinken und die Hamster verletzen. Durch den ziemlich seitlich gelegenen Eingang haben die Tiere im Nistkasten einen sehr abgetrennten und dunklen Raum, werden also nicht durch Tagesaktivitäten gestört. Plastikhäuser weisen oftmals neben der geringen Größe noch Fenster (Lichteinfall) auf, die es den Tieren unmöglich machen, länger in einen Tiefschlaf zu fallen, wenn etwas Leben im Raum ist.
Diese Inneneinrichtung sorgt dafür, dass die Tiere ständig Abwechslung haben und sich ablenken und ausleben können. Dazu möchte ich gerne noch eine kleine Episode aus meinem „Hamsterrarium“ (80 x 40cm) erzählen:
Eine zeitlang habe ich meine beiden dsungarischen Mädels etwas zu stark mit proteinreichem Futter gefüttert, die zwei Damen setzten also reichlich an. Da ich das Becken nur etwa 1 mal im Monat reinigen muss (bis auf die Toilettenecke natürlich) stand das Gangsystem bereits relativ stabil und die Hamsterchen wurden träge und faul, da es nichts mehr zu erledigen gab.
Bis dahin hatte ich etwa die besagten 5 cm Einstreu neben einem Kletterstamm und einem größeren Lavastein im Becken.
Als ich das Becken das nächste mal reinigte und neu befüllte, legte ich die Papprollen nicht oben auf die Streu, sondern habe sie direkt aneinander gelegt und praktisch als verlängerter Tunnel „vergraben“.
Außerdem wurde die Einstreu \“versehentlich\“ etwas höher, so dass etwa 8cm Buddelspaß zur Verfügung standen.
Meine Mädels waren über die Zerstörung ihres Gangsystems ziemlich entrüstet und stürzten sich gleich wetteifernd aus dem Nistkasten, um wieder Ordnung in die Bude zu bekommen. Die nächsten 30 Minuten sah ich nur noch wandernde Streuhaufen und ab und an mal eine Nasenspitze, die sich oben orientierte.
Nachdem sie heraus gefunden hatten wo die Papprollen vergraben waren, sah man den Spänehaufen immer von einem Ende der Röhre wieder zurück wandern, um dann zu verschwinden und an der anderen Seite des Tunnels wieder aufzutauchen. Da die Einstreu frisch war, fielen die Tunnelsysteme ziemlich schnell wieder zusammen. Doch statt sich darüber zu ärgern (ich wette das haben meine Dsungaren doch getan), sah ich sie wieder regelmäßig herum wuseln und arbeiten.
Irgendwann wollte ich die zwei mal im Nistkasten kontrollieren und stellte fest, dass sie es vorgezogen, hatten sich unter der handvoll Heu eine Mulde zu buddeln um dort zu übernachten. Innerhalb von 2 Wochen haben die beiden mit einer leichten Diät wieder ihr Idealgewicht erreicht. Bewegung ist halt sehr wichtig für die Linie und die gesamte Gesundheit.
Etwas schade ist es schon, dass man die beiden kaum noch an der Oberfläche entdeckt. Der größte Teil spielt sich inzwischen - ihren Instinkten angepasst – unterirdisch ab.
Aber ehrlich gesagt finde ich es sehr schön, wenn ich es einfach nur mal hier und da rascheln höre oder plötzlich eine Nase irgendwo auftaucht. Niedlich ist es auch, wenn sie die Papprollen die direkt am „Fenster“ liegen von Innen heraus aufknabbern, so dass ich einen guten Einblick in das Innenleben habe.
Auf jeden Fall sind die zwei ständig in Bewegung und sehen dabei ziemlich glücklich aus. Ich glaube, wenn ich sie jetzt in einen kleineren Käfig setzen würde mit nur einem cm Einstreu würden sie die Welt nicht mehr verstehen.
Übrigens haben die beiden kein Laufrad drin stehen, und sie vermissen es mit Sicherheit auch nicht, weil sie ihrem Lauf- und Grabinstinkt wunderbar ausleben können.
Inhalt Ende